Notlichtanlage

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Grundlagen


Die Notbeleuchtung nach SN EN 1838 gliedert sich in zwei Bereiche:

Sicherheitsbeleuchtung Ersatzbeleuchtung
Sicherheitsbeleuchtung für Rettungswege
  • gefahrenloses Verlassen der Problemzone
  • ausreichende Sichtbedingung und Orientierung auf Rettungswege
  • leichtes Auffinden von Brandbekämpfungs- und Sicherheitseinrichtungen
Ersatzbeleuchtung
  • Ist eine Notbeleuchtung, die für das Weiterführen des Betriebes über einen begrenzten Zeitraum zusatzweise die Aufgabe der allgemeinen Beleuchtung übernimmt.
Antipanikbeleuchtung
  • reduzierte Wahrscheinlichkeit einer Panik
  • paniksicheres Erreichen der Rettungswege
  • ausreichende Sichtbedingung und Orientierung
Sicherheitsleuchten
  • an Arbeitsplätzen mit besonderer Gefährdung gefahrloses Beenden der Arbeit ermöglichen.

Bauprojekt

Frageliste

zu Klären durch BKP Frage mögliche Antworten Zusatzbemerkung
Bauherr 231.4 Was für ein System soll gewählt werden?
  • Einzel- oder Zentralbatteriesystem
Bauherr 231.4 Ist eine Ersatzbeleuchtung vorzusehen?
  • Ja, um wirtschaftlich oder technisch wichtige Arbeiten Weiterführen zu können
Bauherr 231.4 Welche Störmeldungen sollen übermittelt werden?
  • Siehe auch: Alarm- Stör- und Zustandsmeldung
Brandschutzplaner 231.4 In welchen Bereichen ist eine Sicherheitsbeleuchtung notwendig?
Brandschutzplaner 231.4 Wann soll die Notbeleuchtung aktiv sein?
  • Nur bei Stromausfall (Bereitschaftsschaltung)
  • Bei Stromausfall und Brandalarm (Bereitschaftsschaltung)
  • Dauerschaltung

Submission

Ausführung

Planung

Auswahl der Anlage

Anlagetyp Überwachungsart Bemerkung
Einzelbatterie Ohne Selbsttest Nicht empfehlenswert, Sicherheitsrisiko bei vernachlässigter Wartung
Einzelbatterie Mit Selbsttest Stand der Technik
Einzelbatterie Zentrale automatische Überwachung Vereinfachte Wartung und Protokollierung
Low Power System (LPS) Stromkreisüberwachung Bis zu max.1500W. Empfehlung 15-100 Leuchten, damit die Wartung vereinfacht wird.
Low Power System (LPS) Einzel Überwachung Bis zu max.1500W. Empfehlung 15-100 Leuchten, damit die Wartung vereinfacht wird.
Central Power System Stromkreisüberwachung Ohne Leistungsbegrenzung. Empfehlung ab 100 Leuchten, damit die Wartung vereinfacht wird.
Central Power System Einzel Überwachung Ohne Leistungsbegrenzung. Empfehlung ab 100 Leuchten, damit die Wartung vereinfacht wird.

Autonomiezeit

Sicherheitsbeleuchtung und Rettungszeichenleuchte

  • Siehe Übersicht der Anforderungen von Gebäuden
  • Rettungszeichen sind über (nur in Ausnahmefällen neben) der Tür anzubringen. Der Pfeil zeigt auf die Notausgangstüre.
  • bei Rettungswegen ausserhalb und in der Nähe (2m) von jedem letzten Ausgang
  • bei Rettungswegen bei jeder Ausgangstür, die im Notfall benutzt wird
  • bei Rettungswegen in der Nähe (2m) von Treppen zur direkten Beleuchtung der einzelnen Treppenstufen und in der Nähe von jeder weiteren Niveauänderung
  • in elektrischen Betriebsräumen
  • Räume mit hoher Personenansammlung
  • bei öffentlichen WCs und Toiletten für Menschen mit Behinderung (IV-WC)
  • im Lift als Antipanikbeleuchtung
  • in Kühlzellen mit Minustemperaturen (<0 Grad) und grösser als 10m3 (SUVA)
  • in der Nähe (2m) von jeder Hilfestelle oder Brandbekämpfungsvorrichtung bzw. Meldeeinrichtung. Diese sind mit 5lx vertikal zu beleuchten
  • bei jeder Kreuzung der Gänge und Flure
  • bei jeder Richtungsänderung
  • Sicherer Bereich. Dies ist ein ausgewiesener Bereich an dem sich flüchtende Personen sicher versammeln können.
  • bei Feuerlösch- und 1.Hilfeposten (5 Lux)
  • An Einrichtungen und in Bereichen für Menschen mit Behinderung:
    • An Alarmanlagen, Fluchtgeräte und Schutzgeräten mit einer maximalen Entfernung von 2m
  • Bei potenziell gefährlichen Arbeitsabläufen und Situationen. Zum Beispiel:
    • bei rotierenden Maschinen, in Laboren mit gefährlichen Stoffen, für Überwachungsplätze und Kommandozentralen, Elektrische Betriebsräume und Räume für haustechnische Anlagen, Heisse Anlagen (Öfen, Bäder usw.)
    • Die Beleuchtungsstärke im Notbetrieb muss 10% der geforderten Beleuchtungsstärke im Normalbetrieb sein bzw. mindestens 15 lx betragen.
    • Sicherheitsleuchten sollten in Dauerschaltung sein um in < 0,5 s Umschaltzeit zur Verfügung zu stehen.
Rettungszeichenleuchte Mindestlänge
  • längenangaben beziehen sich auf die Kurze Seite des Rettungszeichens
  • Rettungswürfel bis 50m Erkennungsweite
Erkennungsweite d Beleuchtet Hinterleuchtet Nachleuchtend
15m 150mm 150mm 230mm
20m 200mm 150mm 310mm
35m 350mm 175mm 540mm

Zentralbatteriesystem

Stromkreis (Gruppen)
  • Pro Stichleitung dürfen maximal 20 Notleuchten aufgeschaltet werden (NIN 5.6.9.2). Es ist mit maximal 17 zu planen.
  • Wenn immer möglich sind sämtliche Notleuchten abzuschlaufen, externe Klemmstellen sind zu vermeiden.
  • Pro Brandabschnitt ist theoretisch eine eigene Stichleitung zu wählen. Mindestens bei Fluchtkorridoren und Treppenhäuser ist dies einzuhalten.
  • Zuleitung in den Brandabschnitt muss FE180/E60 sein. Restliche Installation im demselben Brandabschnitt darf konventionell sein sofern der Brandabschnitt nicht verlassen wird.
Standort der Notlichtzentrale (NLZ)
  • Räume mit Niederspannungsverteilanlagen der allgemeinen Stromversorgung: Stromquellen für Sicherheitszwecke sind mit Feuerwiderstand EI 60 abzutrennen oder mit einem Abstand von mindestens 0.8m in einem Kasten aus Baustoffen der RF1 aufzustellen.
  • Nicht zulässig sind NLZ in folgenden Räumen:
    • Fluchtwege, Lüftungszentralen, Putzräume, Lager- und Fabrikationsräume mit brennbaren Stoffen, Aufstellungsräume für wärmetechnische Anlagen
Batterieraum
Bauliche Anforderungen
  • Es benötigt eine technische Belüftung ab einer Ladeleistung über 3 kW
  • Räume müssen trocken sein
  • Lichte Höhe > 2 m aufweisen über den begehbaren Bedienungsgängen
  • Geschützte Aussenfenster wenn sie leicht zugänglich sind
  • Die elektrische Installation ist wie in feuchten und nassen Räumen auszuführen
  • Lüftung falls erforderlich
  • Beschaffenheit des Bodens: Ableitwiderstand zwischen 50 k – 10 M Ohm (Vermeidung elektrostatischer Aufladung gemäss IEC 61340-4-1)
Batterien
Bauliche Anforderungen
  • Müssen leicht zugänglich sein und leicht Instand gehalten werden können
  • Müssen gegen herab fallende Gegenstände, gegen Eindringen von Fremdstoffen sowie gegen Verschmutzung geschützt sein
  • Müssen gegen unzulässig hohe oder tiefe Umgebungstemperaturen geschützt sein
  • Nach Möglichkeit sind frostfreie Räume vorzusehen
  • Müssen frei von Erschütterungen aufgestellt werden

Betriebsbereitschaft / Wartung / Kontrolle

Kontrolle

  • Die Anlageneigentümer oder -Betreiber sind dafür verantwortlich, dass die Sicherheitsbeleuchtungen und Stromversorgungen für Sicherheitszwecke bestimmungsgemäss in Stand gehalten und jederzeit betriebsbereit sind.
  • Notbeleuchtungsanlagen sind veränderten betrieblichen Gegebenheiten wie Nutzungsänderungen und baulichen Veränderungen laufend anzupassen.
  • Die Durchführung von Instandhaltungsarbeiten (z. B. Funktionskontrolle, Wartung, Instandhaltung) ist im Kontrollbuch festzuhalten.

Abnahmekontrolle

  • Auflistung aller Notleuchten und deren relevanten räumlichen Gegebenheiten
  • Messungen der Beleuchtungsstärken
  • Prüfung nach Herstellerangaben
  • Sichtkontrolle
  • Funktionskontrolle
  • Kapazitätskontrolle
  • Installationskontrolle gemäss NIV
  • Sicherheitsleuchten müssen als solche leicht erkennbar durch ein grün/weisses Symbol gekennzeichnet sein.
    • Bei Zentralbatterieleuchten zusätzliche Kennzeichnung, dass die Leuchte durch eine Fremdspannung versorgt wird.
    • Als Empfehlung sollte die Stromkreisnummer (z.B. 1.1.3) / Bezeichnung des versorgenden Endstromkreises sowie die Leuchten- Nummerierung angegeben werden.

Periodische Kontrolle

Täglich

Zentralanlage (CPS oder LPS):

  • Kontrolle der Anzeigen bei der Zentralanlage (nur bei CPS oder LPS)
Wöchentlich

Bei zentralen Notbeleuchtungsanlagen wird eine wöchentliche Funktionsprüfung gemäss Kapitel 1.9.1.2 „Funktionskontrolle“ der SLG durchgeführt.

Monatlich

Zentralanlage (CPS oder LPS):

  • Überprüfung der zentralen Fehleranzeige.
  • Die Funktionsprüfung wird durch Zuschalten der Stromquelle für Sicherheitszwecke durchgeführt (Notbetrieb).
    • Je nach Anlagentyp automatisch durch die Anlage, andernfalls manuell.

Dezentrale Notleuchten mit Selbsttest:

  • Die Funktionsprüfung wird durch Zuschalten der Stromquelle für Sicherheitszwecke durchgeführt (Notbetrieb).
    • Automatisch; keine manuelle Tests notwendig.

Dezentrale Notleuchten ohne Selbsttest:

  • Bei dezentralen Notleuchten, ohne Selbsttest, muss einmal pro Monat die Stromversorgung unterbrochen werden, damit die Leuchten in den Notbetrieb schalten. Das Gerät sollte für nicht mehr als 6 Minuten auf einen korrekten Betrieb beobachtet werden. Die Funktion und der mechanische Zustand der Leuchte sind mit einem Rundgang zu überprüfen. (Kap. 1.9.1.2 „Funktionskontrolle“ der SLG)
Halbjährlich

Dezentrale Notleuchten, ohne Selbsttest, müssen halbjährlich wie folgt einer Funktionskontrolle nach Kapitel 1.9.1.2 „Funktionskontrolle“ der SLG unterzogen werden:

  • Die Stromversorgung der Leuchte unterbrechen, damit die Leuchten in den Notbetrieb schalten.
  • Ein Notbetrieb von 6 Min genügt für die Funktionskontrolle, wenn die Leuchte für einen Notbetrieb von 1 Stunde ausgelegt ist.
  • Überprüfung der Ladekontrollanzeige.
  • Die Funktion und der mechanische Zustand der Leuchte muss mit einem Rundgang überprüft werden.
Jährlich

Die jährliche Prüfung muss innerhalb von 4 bis 52 Wochen nach der Inbetriebnahme durchgeführt werden. Notleuchten müssen jährlich wie folgt einem Betriebsdauertest nach Kapitel 1.9.1.3 „Kapazitätstest“ der SLG unterzogen werden:

  • Die Stromversorgung der Leuchte unterbrechen, damit die Leuchten in den Notbetrieb schalten.
  • Ein Notbetrieb von 60 Min gilt für den Betriebsdauertest.
  • Fällt die Dauerbetriebsdauer, bei einer Zentralbatterieanlage, unter einen Wert von 80%, muss die Batterie ausgewechselt werden.
  • Der mechanische Zustand der Leuchte muss mit einem Rundgang überprüft werden.
  • Rückschaltung und Prüfung der Meldeeinrichtungen.
  • Überprüfung der Ladeeinrichtung. Prüfung der Batterien, Kapazitätstest der Batterieanlagen

Dezentrale Notleuchten, mit Selbsttest

  • Überprüfung der lokalen Fehleranzeige.
  • Der mechanische Zustand der Leuchte muss mit einem Rundgang überprüft werden.

Bei zentralen Notbeleuchtungsanlagen

  • Überprüfung der zentralen Fehleranzeige.
  • Kapazitätstest der Batterien (Kap. 1.9.1.3 „Kapazitätstest“ der SLG)
  • Der mechanische Zustand der Leuchte muss mit einem Rundgang überprüft werden.
alle 3 Jahren

Messungen der Beleuchtungsstärken werden anlässlich der Erstprüfung vorgenommen sowie im Abstand von drei Folgejahren.

alle 10 Jahren

Eine Beurteilung der Anlage erfolgt spätestens nach 10 Betriebsjahren. Es werden folgende Punkte beurteilt:

  • konzeptionelle Auslegung
  • technologisch bedingte Verfügbarkeit
  • Wirksamkeit infolge Nutzungsänderung

Revisionsunterlagen

Eine Übersichtszeichnung der Anlage mit allen relevanten Komponenten muss erstellt und bei der Anlage selbst hinterlegt werden. Ebenfalls ist es notwendig, detaillierte Informationen zur Sicherheitsbeleuchtungsanlage bei der Anlage zu deponieren:

  • Schaltplan
  • Stromkreise
  • Anzahl und Art der Leuchten pro Kreis
  • Einzel- und Gesamtbelastung
  • Installations- und Grundrisspläne
  • Lage der elektrischen Betriebsstätten, Verteiler, Kabel- und Leitungstrassen außer der Endstromkreise
  • alle Elemente der Sicherheitsbeleuchtung mit Stromkreiskennzeichnung
  • Schalt- und Überwachungseinrichtungen
  • Betriebsanleitungen

Normen

  • SLG Stand der Technik Papier – Notbeleuchtung, Stand 01.01.2015
  • VKF Brandschutzrichtlinie – Flucht- und Rettungswege
  • VKF Brandschutzrichtlinie – Kennzeichnung von Fluchtwegen Sicherheitsbeleuchtung Sicherheitsstromversorgung
  • SN EN 1838, Angewandte Lichttechnik – Notbeleuchtung
  • SN EN 50171 Zentrale Stromversorgungssystem
  • SN EN 50172 Sicherheitsbeleuchtungsanlage
  • SN EN 50178 Ausrüstung von Starkstromanlagen mit elektronischen Betriebsmitteln
  • SN EN 50265-1 / SN EN 50265-2-1 Richtlinie für Kabel und Leitungsanlagen
  • SN EN 50272 Sicherheitsanforderungen an Batterien und Batterieanlagen, stationäre Batterien
  • SN EN 60146-1-1 Halbleiter-Stromrichter - Allgemeine Anforderungen und netzgeführte Stromrichter - Teil 1-1: Festlegung der Grundanforderungen
  • SN EN 60598–1 Leuchten Teil 1: Allgemeine Anforderungen
  • SN EN 60598-2-22 Besondere Anforderungen – Leuchten für Notbeleuchtung
  • SN EN 61310 Teil 1: Anforderungen an sichtbare, hörbare und tastbare Signale
  • SN EN 61310 Teil 2: Anforderungen an Kennzeichnung
  • SN EN 61439-1 Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen - Teil 1: Allgemeine Festlegung
  • NIN 5-6 Stromversorgung für Sicherheitszwecke
  • NIN (Niederspannungs- Installations- Normen)
  • NIV - Niederspannungs-Installationsverordnung
  • SUVA Sicherheitsbeleuchtung
  • ISO 3864 Sicherheitsfarben und Sicherheitszeichen